misused media. 20.juni bis 2.juli
sterngasse 13, 1010 wien
täglich 13 - 19 uhr
das blinde mehr sehen als die sehenden ist bekannt. ihre wahrnehmung ist durch die behinderung bedingt, nicht nur um ein vielfaches ge- sondern insbesonders um ein vielfaches verschärft. blinde gehen sehend mit ihrem gehör, während sehende oft überhaupt nichts mehr hören vor lauter sich versehen. den ansatz, die wahrnehmungswelt der blinden den sehenden näherzubringen, und gleichzeitig aber auch vor allem von nicht-sehenden sinnvoll rezipierbar sein hatte berni bauch bei seinem projekt gesehenes gehört, einer 5.1 surround arbeit.
die in fast kompletter dunkelheit inszenierte klanginstallation basiert auf einem “soundtrack” interview mit einer blinden frau, welche während eines trips durch den osten europas geführt wurde. da der raum nicht komplett verdunkelt ist, funktioniert die arbeit in meinen augen nur bedingt, und wer sich wirklich die zeit nimmt könnte unter umständen in eine geschichte eintauchen - nur wer nimmt sich heutzutage überhaupt noch zeit?
jonas bohatschs minimalistische installation “far away” ist ein winziger punkt, welcher scheinbar in die wand eingelassen wurde. der punkt stellt die kleinste einheit der elektronischen bilddarstellung, nämlich den pixel dar.
die dargestellten farben des RGB-pixels ergibt sich durch die durchschnittsfarben jedes einzelnen kaders eines spielfilms, so dass der film auf farbstimmungen und schnittrhythmus reduziert, nur mehr als flackernder punkt wahrzunehmen ist.
roman vogels arbeit versteht sich in meinen augen als der missglückte versuch einen dataglove aus den achziger jahren im kunstkontext zu imitieren. die arbeit ist perfekt ausgeführt und funktioniert nur und vor allem als für sich stehendes objekt.
anders bei emanuel andel, der gestern seinen brachialen knive.hand.chop.bot zum ersten mal in voller gewalt zum laufen brachte. der derbe roboter, welcher genauso gut als robustes gehäuse für einen drag car herhalten könnte, thematisiert nicht nur das kybernetische feedback sondern schickt
erst dann ein ein immer schneller zwischen den fingern des opfers herunterhackendes messer auf die reise. so weit mir ist, wurden die rechtlichen probleme von andel gelöst, indem der benutzer eine verfügung unterschreiben muss, bevor er sich von dem roboter benutzen lässt
internet superstar lucas czjzek, welcher während der letzten zehn jahre unter seinem pseudonym “luxus” nicht nur mehr als die hälfte aller hauswände wiens mit seinem konterfei beglückte, bringt seine ganze genialität in seinem gigantisch angelegten konzeptkunstwerk “tuberoom” wieder von neuem an den tag.
die von czjzek auf die faschistoide internetplattform YOUTUBE geladenen, durchwegs smarten kunstwerke wie “bluescreen” oder “second life”, werden durch einen hack mit derartig vielen “views”, dem eigentlichen indikator für die popularität eines videos auf YOUTUBE, das sie schon nach wenigen stunden unter den mostviewedalltime videos erscheinen.
czjzek stellt mit seiner konzeptkunst nicht nur das schwachsinn hypende kollektive wertungssystem dieser communities in frage, sondern hebelt mit mit dem von stefan novak programmierten virus auch dessen mechanismen aus den angeln.
stefan fahrngrubers objekt transfer besteht aus einem plastikspielzeuggewehr und einer art durchsichtigem monitor. die arbeit bezieht sich laut fahrngruber “auf den gleichnamigen begriff der medienpädagogok, der das mass der auswirkungen von medien auf reale verhaltensweisen angibt.”
fahrngrubers werk besticht nicht nur durch die mehr als offensichtliche plakativität der thematik, sondern auch durch die pedantisch penible ausführung. prost
das von den beiden künstlern bernhard garnicnig und gottfried haider für den ausstellungsraum adaptierte GPS-theaterstück “craven”, ein ursprünglich für outdoor angelegtes werk, besteht aus stimmen und einer geräuschkulisse. drei um die besucher angeordnete projezierte panels betten diesen in eine imaginierte urbane wüste.
die thematisch gut funktionierende installation unternimmt den versuch, eine geschichte von liebe und zerstörung zu erzählen, in deren mitte der rezeptor als stummer zeuge steht.
das internet ist nicht nur ein sich ständig in gestalt und inhalt morphender datenmoloch, sondern durch die zerstörerische kraft kollektiver systeme einiger giganten wie youtube, myspace, wikipedia und google ein mehr denn je faschistoider sumpf geworden.
inhalte, welche jetzt wichtig erscheinen, werden schon in der nächsten sekunde von einer neuen flut erdrückt und verlieren innert kürzester zeit an bedeutung.
die computerinstallation exege(ne)sis07 von mateusz gorecki nützt diese veränderungen, um eine digitale und dynamische interpretation der biblischen genesis darzustellen. dabei wird der biblische text an die ungefilterten ergebnisse der google bildersuche gekoppelt.
daniele buetti wurde in den späten achziger jahren berühmt, indem er zeichen codes und marken mittels einfachster weise - einem kugelschreiber und supermodelportraits - manipulierte. so wurde er selbst zum “brand”: luc gross
christian gützer manipuliert mittels einer durch einen algorithmus gesteuerten, orbital angelegten maschine die sich immer nach dem licht orientierende wachstumsrichtung einer schnell wachsenden sowie schnell verholzenden pflanze.
“es werden unnatürliche formen erzeugt und der algorithmus der maschine manifestiert sich in der form der pflanze.”
guetzers arbeit wird wohl erst in einigen wochen und mit einer absurd ausgewachsenen pflanze wirklich zum tragen kommen
andreas haider aka muk spielt in seinen smarten, auch ohne weiterführende technischen erklärungen arbeitendenden objektinstallationen mit den verschiebungsebenen von virtualität und realität.
marcel duchamp räumte mit seinen readymades in den zwanziger jahren nicht nur komplett und unwiderruflich mit der gesamten kunst auf, sondern schweisste den künstlern gleichwohl in ihr bewusstsein, das nach ihm nichts mehr kommen kann.
nichtsdestotrotz benutzt christopf höschele in seiner videoinstallation “blainville-crevon-neully-sur-sein” eine von duchamps bekanntesten arbeiten, “rour de bicyclette” das in einer auf dem kopf stehenden gabel hängende rad als steuerinterface für sein video, welches die route von marcel duchamps geburts- zu seinem sterbeort zeigt, zu benutzen. die arbeit funktioniert träge, aber sie funktioniert
matthias kassmannhuber benutzte nicht nur den coolsten aller effekte der elektroakustik, nämlich das feedback für seine arbeit, sondern gab ihr gleich auch noch den mehr als coolen namen “yeah, yeah, the birds”. mittels binauraler mikrofone aufgenommenen raumgeräusche werden von einem sich um die eigene achse drehenden richtlautsprecher in den raum zurückgeworfen, was nicht nur eine rückkoppelung auf die aufnahme erzeugt sondern den durch seine körperliche präsenz auf den raum und daher das feedback wirkende rezipient auch teil der komposition werden lässt
kontaktbelichtung von fotopapier durch ein monitorbild heisst der trick den sich nina kataeva für ihre gespenstisch anmutenden fotogramme eine sekunde zu nutzen machte. die dadurch entstehenden “verwerfungen und unregelmässigkeiten” lösen beim betrachter genau das unbehagen aus, welches er in dem “letzten moment vor der katastrophe, wenn das unausweichliche schon einen schatten wirft” in ihm entsteht
ebenfalls mit unbehagen spielt auch daniel kauer, welcher den zustand der sich steigernder orientierungslosigkeit in seiner perfekt und sehr liebevoll produzierten 3d animation out of focus thematisiert, nämlich dem sich-verlieren in den schier unerschöpflichen und doch gleichzeitig zum allergrössten teil nutzlosen möglichkeiten des computers.
matthias klien. strassenarbeiten, aktionsfotografie
“DIE STRASSE ist der ort, an dem traditionell das öffentliche leben stattgefunden hat. dann aber wurden die menschen vom auto von der strasse verdrängt und zuhause mit übertragungen gebunden
DER FUSSBALL (das tor als rahmenbedingung) als spektakel durchdringt sämtliche lebensbereiche. diese allgegenwärtigkeit entspringt aber nicht einem bedrüfniss der zuschauer, sondern dem wirtschaftlichen druck zur verwertung der massen.
DER GEFANGENE, dem alle rechte aberkannt wurden (subjekt -> objekt) ist ein zeichen für das verschwinden des menschen. aus der totalen ordnung durch wirtschaft und technologie folgt zwangsläufig ein globales “konzentrationslager”
die simple wie greiffende idee robert mathys, nämlich die sich monoton wiederholenden szenen einer skirennabfahrt zu überlagern, funktioniert visuell in einem zitternden, beinahe geisterhaft unwirklichen bild.
“die vom medium spektakulär behaupteten, aber in wirklichkeit kaum zu unterscheidenden sportlichen leistungen werden zur visualisierten statistischen bagatelle im sonst völlig homogenen gesamtbild der informationseinblendungen und schnittfolgen”
an georg novotnys “partizipativer medieninstallation” läuft man blitzend vorbei, der bewegungssensor, die still geduldete annehmlichkeit unserer heutigen tage, erfasst einen und eine an der wand befestigte fotokamera scheint einen zu erfassen. novotny versucht in seiner arbeit die beziehung “zwischen öffentlich agierendem subjekt und klassicher, selektiver medialer aufmerksamkeit” zu thematisieren
milos paripovic zeigt in einer der wenigen wirklich kritischen arbeiten der ausstellung, das es eben auch anders geht, das man der stetig wachsenden kommerzialisierung der medien, auch kritisch hinterfragend entgegenkommen kann. der von ihm manipulierte fim “un chien andalou” von luis bunuel aus dem jahre 1929 setzt sich mit den sich neu eröffnenden metaebenen in film und medien durch werbung und product placement auseinander - der geld-ebene.
die 3d - animation von martin perktold stellt für mich ein klares zitat auf den französischen zeichner moebius dar - dem freien, scheinbar endlosen fall eines körpers in zeitlupe. traumartige, sehr poetische bilder der schwerelosigkeit…
es gibt eine neue band an der vismed! endlich, wurde auch zeit. nach dem tragischen tod von gordan savicic im sommer 2006 musste nicolaj kirasitits etwas tun und prügelte jan perschy in neue dimensionen. was dabei an dem letzten workshop im kleylehof herauskam, unterscheidet sich in seiner einfachkeit eindeutig von den sonstigen, eher übertrieben technoiden projekten. die instrumente perschys basieren auf einer mechanischen rückkoppelung und werden durch nintendos VI-controller, einem interface, welches raumposition misst, gesteuert. perschys band hat ausserdem merlin wyschka in ihrere mitte, absoluter garant für erfolg
leo peschta, size matters! nachdem peschta während der letzten jahre mit den algorithmisch gesteuerten bewegungsformen von miteinander verbundenen tetraedern experimentiert hat, geht er in seiner diplomarbeit nun auf das ganze: SIZE MATTERS. der beinahe raumfüllende tetraeder bewegt sich als maschinell organische skulptur - science fiction.
johannes rumpfhubers installation “freeport” besteht aus in einem kreis angeordneten audiovisuellen modulen - imacs. die arbeit funktioniert klanglich für den in sich in der mitte befindenden besucher verblüffend gut. hörenswert
laura russos arbeit finde ich unter dem aspekt sehr liebenswert, da sie eine art schärfeneinstellung, welche jedoch farbanteile einer komposition beeinflusst in relativ grosse “schubladen” gigantisiert hat. mich erinnern die schubladen ein wenig an die grossen knöpfe von seniorenhandys.
das letzten sommer leider verstorbene multitalent aus serbien, gordan savicic ist in der ausstellung mit einer arbeit post-mortem vertreten, welche seinen traurigen abschied von uns allen alleine schon im titel nicht besser hätte illustrieren können - the pain of everyday life.
eine weitere medienkritische arbeit stammt von martina schönherr. sie setzt sich mit der anonymen flut des internets und deren manifestierung in den kommentaren von foren auseinander. oft schnell hingetipptes, angreiffend, unbedacht oder einfach nur blöd, geht einem anonym leichter von der zunge als dann, wenn man für seine worte stehen muss. schönherr fragte die verfasser von userkommentaren, ihre kommentare auf eigens gedruckten t shirten zu tragen und bringt so einen aspekt der virtuellen un-öffentlichkeit zurück in die reale öffentlichkeit
die ursprünglich zusammen mit internet-superstar lucas czjzek konzipierte idee eines generativen, programmierbaren musikvideos, welches aus modularen immer in anderen konstellationen triggerbaren bewegungsstudien des hauptakteur bestand, hinterliess nach einem streit mit sue sellinger unmengen an professionell gefilmten studien für das niemals vollendete projekt. sellinger benutzte das brachliegende material im alleingang für ihr linear funktionierende video als diplomarbeit.
matthias subiks an einem an der wand befestigten monitor besticht durch die simple ausführung der visualisierung. was er allerdings damit sagen will, bleibt - wohl als generelles problem der medienkunst - dem weder involvierten noch unterrichteten besucher verschlossen.
bei fritz zorns video hab ich dann einfach verdammt hunger bekommen.











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